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Ein eingespieltes Team muss sich nicht erst finden und genau das beschreibt Alexander Donchenko als die große Stärke der Nationalmannschaft: Man kenne und verstehe sich untereinander besser als jedes andere Team, weil man schon so oft zusammen wie gegeneinander gespielt habe. Diese Vertrautheit zeigte sich zuletzt beim World Cup 2025, wo Donchenko sich im Turnierverlauf gegen seinen eigenen Nationalmannschaftskollegen Matthias Blübaum durchsetzte, ehe er im Viertelfinale hauchdünn an der Qualifikation fürs Kandidatenturnier scheiterte. Eine echte Enttäuschung ist das für ihn bis heute nicht: Sein Turnier sei bis dahin fantastisch gelaufen, sagt er, und genau das mache ihm Mut, dass sich ein solches Ergebnis wiederholen lässt. Es ist neben seinem Sieg im Wijk aan Zee Challengers 2023 der bislang prägendste Moment einer Karriere, in der ihn bis heute vor allem der "tiefe und faire Wettkampf" des Schachs fasziniert. Vom 15. bis 28. September kämpft er nun mit dem Team in Samarkand – einem Ort, an den er besonders gute Erinnerungen hat: Schon beim Grand Swiss im vergangenen Jahr hat es ihm dort sehr gefallen. Rückhalt bekommt Donchenko dabei seit jeher von seinen Eltern – sein Vater war selbst Schachprofi in der Sowjetunion und gab ihm früh Wissen mit, für das andere meist einen externen Trainer brauchen.
2026 ist das stärkste Jahr in der Karriere von Lara Schulze. Bei der Deutschen Meisterschaft in Dresden kämpfte sie bis zur letzten Runde um den Titel und wurde am Ende mit 6,5 aus 9 Vizemeisterin – den entscheidenden Sieg in der Schlussrunde holte sie ausgerechnet gegen ihre Olympiaden-Teamkollegin Dinara Wagner. Im August erreichte sie mit 2345 ihre bisher höchste Elozahl. Schon 2025 holte Schulze mit dem Team bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Batumi überraschend Bronze – sie bezeichnet den Erfolg als prägendsten Moment ihrer bisherigen Karriere. Auch abseits des Bretts ist Schulze gerade gefragt wie nie: Neben einem Sat.1-Fernsehdreh zu ihrer Olympiaden-Vorbereitung stehen in den kommenden Tagen Interviews mit Chess.com, der Bremer Zeitung "Weser Kurier" und dem Regionalsender "buten un binnen" an – Anfragen, die sie mit sichtlicher Freude annimmt, um ihre Begeisterung für Schach auch über die Szene hinaus zu teilen. Wenig überraschend ist sie nebenbei als einzige Frau im Bundesligakader von Werder Bremen aktiv, arbeitet als Trainerin, teilt ihren Schachalltag als Content Creatorin auf YouTubeund ihrem Blog und studiert nebenbei Wirtschaftspsychologie. Nach ihrem Olympiaden-Debüt 2024 in Budapest reist sie nun zum zweiten Mal mit der Nationalmannschaft nach Samarkand.
Wer den Slogan des Turniers leben will, der muss nur wenige Kilometer fahren: Nach Gadheim – wo seit dem Brexit der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union ist. Dort blickt man zwar nur auf einen Acker – aber der Ort hat eine besondere Bedeutung und ist entsprechend mit einer Infostelle versehen. „Schach im Herzen der EU“ hat denn auch die Schachabteilung des TSV Lengfeld 1876 auf die Shirts zur Deutschen Schnellschach-Amateurmeisterschaft (DSSAM) drucken lassen – für 15 Euro wird das Erinnerungsstück auch verkauft. Für den Verein, der 13 Abteilungen hat, wird die Meisterschaft am 26. (ab 13 Uhr) und 27. September (ab 9.30 Uhr) ein echter Höhepunkt, betont Abteilungsleiter Matthias Hofmann: „Wir haben uns gedacht: Wenn schon Jubiläum – dann machen wir es auch richtig groß.“ 150 Jahre alt wird der Gesamtverein – und jede Abteilung steuert etwas bei. Die 40 Mitglieder (darunter die Hälfte Kinder und Jugendliche) der Schachabteilung die Organisation der DSSAM, gemeinsam mit dem Deutschen Schachbund. „Wir haben einen fantastischen Ausrichter gefunden“, sagt Turnierchefin Sandra Schmidt.
Rund ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Lavinia sitzt Elisabeth Pähtz wieder für Deutschland am Brett und das mit einer Selbstverständlichkeit, die ihre lange Karriere prägt: Seit 1998 hat sie bei keiner Olympiade gefehlt. Als Mutter, sagt sie, falle ihr vieles leichter als früher, vor allem im Kopf – Niederlagen wiegen heute weniger schwer, seit ihre Tochter im Mittelpunkt steht. Dabei blickt Pähtz auf eine Karriere zurück, die auch abseits des Bretts Geschichte geschrieben hat: 2022 wurde sie als erste deutsche Frau mit dem allgemeinen Großmeistertitel ausgezeichnet und bildet gemeinsam mit ihrem Vater das einzige Vater-Tochter-Duo mit diesem Titel. Vom 16. September an kämpft sie in Samarkand mit einem klaren Ziel und bringt, ganz nebenbei, ein neues Fitnessprogramm mit: 10.000 Schritte täglich, mit 7,5 Kilo „Tragegepäck".
Matthias Blübaums Weg zur Olympiade 2026 beginnt schon beim Grand Swiss in Samarkand: Matthias hielt aus verlorener Stellung ein Remis gegen Vincent Keymer und sicherte sich die Qualifikation für das Kandidatenturnier. Für ihn ist es noch vor den beiden Titeln als Europameister der sportlich bedeutendste Erfolg seiner Karriere, wie er selbst sagt. Beim Kandidatenturnier selbst hat er sich anschließend über Wochen mit der absoluten Weltspitze gemessen, sekundiert von gleich drei Nationalmannschaftskollegen. Jetzt kehrt er an genau den Ort zurück, an dem alles begann: Mit im Gepäck hat er die Erfahrung eines ganzen Jahres gegen die besten Spieler der Welt – und die ehrliche Erkenntnis, dass er sich nach zwei schwächeren Turnieren im August erst noch in Form spielen muss.
Da ist diese Lücke. Frei nach dem Roman von Roman Meyerhoff könnte man sagen: Es ist keine entsetzliche Lücke – aber sie ist eben da. Die Analyse rund um das Frauen- und Mädchenprojekt von DSB und DSJ habe unter anderem ergeben, „dass wir zu viele gute Spielerinnen im Alter um die 14 Jahre verlieren“, sagt Paul Meyer-Dunker, Präsident des Schachbundes: „Das ist bei den Jungs anders.“ Es gibt die Talente – aber zu wenige. Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler ergänzt: „Die hohe Aufgaberate bei den Mädchen ist unsere Schwachstelle. Es kommt aktuell zu wenig nach mit Blickrichtung Frauen-Spitzenbereich.“ Die große Frage nun: Wie kann der DSB es schaffen, eine Leistungssport-Kultur im Mädchenschach zu implementieren? „Je später wir anfangen, desto schlechter“, sagt Meyer-Dunker, „also fangen wir früh an. Uns geht es um die U6 bis U12.“ Damit sind wir beim Projekt Girls Next Generation.
Bereits über 150.000 Kinder kamen, um die „Faszination Schach“ von Großmeister Sebastian Siebrecht als Erlebnisschachprogramm zu rocken. Spiel, Spaß und Begeisterung pur! Das Aquis-Plaza ist zum siebten Male Ausrichter der beliebten Kinderschachinitiative. Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons hat die Schirmherrschaft übernommen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Schule und Weiterbildung und zweite Bürgermeisterin, Ulla Griepentrog wird zusammen mit Centermanager Duc Tiep Dang und der ersten Schulklasse der Hugo-Junkers-Realschule am Montag, den 7. September 2026 um 10.00 Uhr den Eröffnungszug der Schachtage ausführen.
Ein ganz Großer des deutschen Schachsports feiert heute seinen 70. Geburtstag: Thomas Pähtz. Nicht nur, weil er bei der DSAM als Gastgroßmeister häufig als sehr nahbar zu erleben war: Ein Großmeister mit Aura – und zum Anfassen. Wir lassen einige Menschen zu Wort kommen, die ihn sehr gut kennen.
Eines vorneweg: Ihr Deutsch ist perfekt. Kein Wunder, denn Yuefan Chen besucht eine deutsche Schule. Gemeldet ist sie für den Düsseldorfer Schachverein 1854. Auch das soweit ganz gewöhnlich. Aber, und jetzt kommt es: Die Zwölfjährige wohnt in Peking, spielt aber mit voller Leidenschaft für den Deutschen Schachbund. Und das immer erfolgreicher. 2024 holte sie bei der Jugend-EM in Prag Silber bei der U10. 2026 gewann sie erst den Deutschen Meistertitel U12 in Willingen – und im August Gold im Team mit Tiffany Tu bei der EM in Pardubice, Tschechien. Es war der erste EM-Triumph für den DSB seit sieben Jahren. Zeit für die DSB-Öffentlichkeitsarbeit, mit dieser jungen Spielerin mal in Kontakt zu treten – Luftlinie 7.300 Kilometer. Lest selbst, wie spannend und aufregend ein Schachleben auch in jungen Jahren schon sein kann.